Montag 06. Februar 2012 Kontakt Letzte Änderung: 17. Juni 2008

Eintritte zunehmend

z. B. Gret Haller

Eintritt

Wiedereintritt

 

Zahl der Kircheneintritte in Deutschland zunehmend

Die BILDZEITUNG in ihrer Online-Ausgabe am 24. 12. 2005

»In der Kirche finde ich meine Ruhe«

Jörg (44), Malermeister, evangelisch-lutherisch: »Ich wollte meine Frau schon lange kirchlich heiraten. Deshalb bin ich wieder in die Kirche eingetreten. Standesamtlich habe ich meiner Frau schon vor zehn Jahren das Jawort gegeben. Uns war wichtig, dass wir unser Ehegelübde erneuern, unseren Verbund auch vor Gott eingehen. Ich bin vor 25 Jahren aus der Kirche ausgetreten. Der Grund: Ich war in der Friedensbewegung, mich hat die Haltung von einigen Kirchenoberen zu der Bewegung gestört. Meinen christlichen Glauben habe ich die ganze Zeit behalten.

Jetzt bin ich froh, wieder in der Kirche zu sein. Ich besuche regelmässig Gottesdienste, habe viele nette Menschen in meiner Gemeinde kennengelernt. Mein Glaube gibt mir Kraft und erfüllt mein Leben. Manchmal gehe ich in die Kirche, wenn ich eine wichtige berufliche Entscheidung treffen muss. Dort kann man sehr gut nachdenken, zur Ruhe kommen.«


»Kirche gehört zum Leben«

Katharina (32), BILD-Redakteurin, evangelisch: »Vor sechs Monaten bin ich wieder in die Kirche eingetreten. Und hatte ein richtiges Glücksgefühl. Weil ich instinktiv spürte, dass es die richtige Entscheidung war. Einer der Gründe, warum ich vor fünf Jahren ausgetreten bin, war die Kirchensteuer, über die ich mich immer noch aufrege. Ich glaube, wenn es statt dessen feste Pauschalen geben würde, wären viel mehr Menschen noch in der Kirche.
Aber als ich dann auf der Beerdigung einer Freundin war, wurde mir bewusst, wie wichtig mir dieser Ort ist. Und wieviel Trost Glaube und Kirche geben können. Ich finde es schön, dass es eine Gemeinschaft gibt, die Leben begrüsst und Abschied nimmt. Auch die Taufen meiner beiden Patentöchter haben mich der Kirche wieder nahegebracht.
Ich finde, Kirchen haben eine ganz besondere Anziehungskraft, eine Art Magie. Weihnachten ohne Gottesdienst? Für mich unvorstellbar. Und genau deshalb bin ich zurückgekehrt. Weil ich gemerkt habe, dass Kirche zu meinem Leben einfach dazugehört.«


»Die Kirche gibt uns so viele Werte«

Anja (34), Anzeigenleiterin, evangelisch: »Bei meinem Austritt vor fünf Jahren hatte ich schon ein schlechtes Gewissen. Aber ich hatte einfach den Bezug zur Kirche verloren, mich wahnsinnig über die hohen Steuern jeden Monat geärgert. Durch die Geburt unserer Tochter habe ich einen neuen Bezug zum Glauben gefunden. Denn ich möchte Linne christliche Werte wie Nächstenliebe, Grossherzigkeit, Rücksicht, Toleranz und Dankbarkeit für ihr Leben mitgeben. Und ich wollte unbedingt, dass meine Tochter getauft wird. Linnes Taufspruch 'Er hat seinen Engeln befohlen, dich zu behüten auf all' deinen Wegen' drückt genau das aus, was ich mir für sie wünsche. Ihre Taufe, die Predigt und wie liebevoll der Pastor zu ihr gesprochen hat - das alles hat mich tief ins Herz berührt.
Ausserdem finde ich, die Kirche ist ein kostbares Kulturgut. Denn ich wünsche mir, dass Linne Weihnachten nicht nur mit Weihnachtsmann und Geschenken in Verbindung bringt, sondern auch mit der Bedeutung. Dieses Jahr gehe ich zum ersten Mal am Heiligen Abend mit Linne in den Kindergottesdienst - darauf freue ich mich schon.«


»Kircheneintritt - z. B. Gret Haller«

Viele treten aus der Kirche aus, einige aber auch wieder ein: z. B. Gret Haller, die Publizistin, Menschenrechtsexpertin und ehemalige Berner Gemeinderätin. Ihr Wiedereintritt sei ein »persönlicher und politischer Entscheid«. Zuerst wehrt sie ab: Eine lange, persönliche Geschichte stecke hinter ihrem Kircheneintritt, und die gehöre eigentlich nicht an die Öffentlichkeit. Dann erzählt Gret Haller trotzdem: von sich, ihren politisch-religiösen Analysen und vom Münster, das sie nach Jahren der Ablehnung »angenommen« hat.

Gret HallerWir treffen uns in der Berner Altstadt. Dort lebt Gret Haller seit ihrer Rückkehr aus Sarajevo, wo sie als Ombudsfrau für Menschenrechte tätig war. Die ehemalige SP-Politikerin arbeitet heute vollamtlich als Publizistin. Ihr neues Buch soll im Spätsommer erscheinen. Wie schon ihr letztes Werk (Gret Haller: Die Grenzen der Solidarität. Europa und USA im Umgang mit Staat, Nation und Religion. Aufbau-Taschenbuch, Fr. 16.60) wird auch das neue wieder von einem Thema handeln, das die Juristin momentan mehr als alles andere beschäftigt: Politik und Religion, Staat und Kirche.

Die Frage liegt auf der Hand: Ist die Beschäftigung mit diesem Thema der Grund für ihren Kircheneintritt? Gret Haller ist nicht die Frau der kurzen, einfachen Antworten. Sie holt aus, analysiert, wort- und gestenreich.

Sie blickt zurück, erzählt: Wie sie in Zürich im Haus der Grosseltern aufgewachsen sei, mit drei Geschwistern und einer allein erziehenden Mutter, finanziell nicht auf Rosen gebettet. Ihre Sozialisierung empfindet Gret Haller in der Rückschau als urzürcherisch-protestantisch. »Wir wurden angehalten, fleissig zu sein, etwas zu erreichen.« Als Jusstudentin an der Uni Zürich habe sie dann die politischen 68er-Jahre »bewusst verpasst«. Erst mit 27 Jahren, als sie eine Stelle in der Bundesverwaltung annahm und nach Bern zog, begann ihr politisches Leben. Sie bewegte sich in feministischen Kreisen, und irgendwann habe sie gemerkt, dass ihr »Kinder-Liebgott« nicht mehr zu ihr passte. Sie trat aus der Kirche aus, »wie das viele Linke damals machten«.

Die Konfessionslose

Mitte der Achtzigerjahre wurde sie Gemeinderätin der Stadt Bern, dann Nationalrätin, später ständige Vertreterin im Europarat. In ihren offiziellen Papieren stand in dieser Zeit immer »konfessionslos«. Dabei habe sie sich durchaus als religiöser Mensch empfunden, »nur war mein Götterhimmel etwas anders bevölkert«, meint sie schelmisch.

»Die Berner Kirche ist grund-europäisch.«

Während Gret Haller in Bosnien als Menschenrechtsexpertin arbeitete, erkannte sie immer klarer die Unterschiede zwischen Europa und den USA, und heute ist sie überzeugt, dass die relative Gewaltbereitschaft dieser Nation auf der Unterordnung der Staatlichkeit unter die Religion beruht. »In Europa ist das umgekehrt«, erklärt sie. Sie kommt auf eine Erfahrung mit der »Staatlichkeit des Berner Münsters« zu sprechen: Als sie dort vor etwa einem Jahr eine Laienpredigt zum Thema Gewalt gehalten habe, habe sie »plötzlich gefühlt, dass mich dieser Raum zum ersten Mal angenommen hat«. Ob es an den Menschen lag, an der Mittelkanzel, auf der sie sprach, an den Recherchen, die sie gerade hinter sich hatte? Gret Haller mag nicht rätseln. Sie weiss aber, dass sie durch ihre Arbeit in Bosnien, durch ihre politischen Analysen über Staat und Kirche in den letzten Jahren etwas begriffen hat: »Die Berner Kirche ist in ihrem Verhältnis zum Staat, dem sie sich unterordnet, grund-europäisch. Ich kritisiere niemanden, der oder die aus der Kirche austritt. Aber wenn so viele austreten wie zurzeit, dann kann ich ja auch politisch Gegensteuer geben.« Die konfessionslose Gret Haller fasste den Entschluss, der Kirche wieder beizutreten.

Die Analytikerin

Vor allem und in erster Linie sei es »ein persönlicher, politischer Entscheid«, betont Gret Haller immer wieder. Er habe mit ihrer Überzeugung zu tun, dass im Westfälischen Frieden vor über 350 Jahren Europa zu Recht bestimmt habe, dass die Religion in die öffentliche Ordnung eingebunden werden soll. Für Gret Haller ist das heute noch die einzige Möglichkeit, wie Fundamentalismus zu überwinden ist. In der »Berliner Tageszeitung« formulierte sie es unlängst so: »Wer seine Wahrheit als eine absolute in die Welt setzt und sie damit der universalen Diskussion entzieht, trägt dazu bei, dass andere mit ihrer Wahrheit dasselbe versuchen.« Das sei eine gefährliche Konfrontation.

Und noch etwas ist ihr nach der intensiven Beschäftigung mit dem Thema Religion klar geworden: Der Mensch hat das Bedürfnis nach etwas Heiligem. »Wenn man ihm da kein Angebot macht, sucht er sich ein Ersatzangebot. Und das kann gefährlich werden.«

Die Eigenständige

Wie hat ihre Umgebung auf den Wiedereintritt reagiert? »Einige verstehen diesen Schritt nicht, aber das macht mir nichts aus«, sagt Gret Haller. Sie habe in ihrem Leben schon oft erlebt, wie sie in wichtigen Fragen plötzlich ganz klar erkannt habe, dass sie so und nicht anders handeln müsse. Innere Klarheit, das sagt sie im Verlauf des Gesprächs gleich mehrfach, ist zuweilen fast etwas Heiliges. Wer im Alltag bekenne, dass ihm etwas heilig sei, meine ja nichts anderes als: Das ist mir wichtig, da bleibe ich dran. Den Gedanken des Heiligen in der Politik wolle sie auch in ihr nächstes Buch einbringen.

Von »etwas Heiligem« zu sprechen, fällt Gret Haller ganz offensichtlich leichter, als von Gott zu reden.

Rita Jost im »saemann« vom März 2005


Sieben gute Gründe

Es ist wirklich nicht schwierig, aus der Kirche auszutreten:
In unserer Kirche Bern - Jura - Solothurn reicht eine schriftliche Erklärung bei der Wohnsitz-Kirchgemeinde.
Manchen ist auch das zu mühsam. Sie treten "still" aus, indem sie sich nach einem Wohnsitzwechsel einfach als "konfessionslos" anmelden, obwohl sie bei der bisherigen Gemeinde nicht in der oben beschriebenen Weise ausgetreten sind.
Hier sind sieben gute Gründe, Mitglied der reformierten Kirche zu sein oder wieder zu werden:

1. Begleitet statt vereinzelt

Sie müssen sich nicht allein durchs Leben schlagen - Kirche begleitet Menschen von der Wiege bis zum Sterbebett. Ob Ihnen nach Feiern oder Trauern zumute ist, ob Sie verständnisvollen Seelentrost oder tatkräftige Lebenshilfe brauchen: Kirche ist für Sie da. Ihre Pfarrerin, Ihr Pfarrer hören Ihnen zu, wenn Sie Schuld auf sich geladen haben. An den wichtigen Stationen Ihres Lebens erinnert sie Kirche an das, was wirklich wichtig ist: bei der Trauung und bei der Taufe Ihres Kindes, beim Tod von Angehörigen und beim Erwachsenwerden Ihrer Kinder.

2. Hoffnung statt Zukunftsangst

Sie brauchen sich nicht zermürben zu lassen von Angst um Ihre persönliche Zukunft oder das Ergehen der Erde. In der Kirche hören Sie die gute Nachricht der Liebe Gottes zu den Menschen und zu seiner Schöpfung. Mit dieser Botschaft können Sie Herausforderungen hoffnungsvoll entgegensehen. Ihr Glaube ist gestärkt: Sie können niemals tiefer fallen als in Gottes Hand.

3. Besinnung statt Hektik

Kirche bietet Ihnen Zufluchtstätten vor der Überfütterung mit Kitsch, Konsum und Klamauk. Kirchen sind die letzten werbefreien Räume, stille Oasen inmitten des lauten Alltags. In Kirchen können Sie zur Ruhe kommen, sich selbst und Gott wieder spüren. Millionen Menschen. heute und in den vergangenen Jahrhunderten haben diese Kraftquelle schätzen gelernt.

4. Freiheit statt Bevormundung

In der Kirche erleben Sie, dass Ihre Würde und Einmaligkeit zählen. Hier werden Sie nicht beurteilt, sondern ernstgenommen als eigenverantwortlicher Mensch mit seinen Gaben und Eigenheiten, Stärken und Schwächen. Hierhin dürfen Sie so kommen. wie Sie wirklich sind.

5. Sinn statt Lebensleere

Sie sind nicht dazu geschaffen, sich mühsam von Tag zu Tag zu hangeln und schliesslich im Frust zu enden. Der Versuchung zur Gleichgültigkeit setzt die Kirche Angebote des sinnvollen Lebens entgegen. Im Leben Jesu können Sie wahre Werte erkennen: Friedfertigkeit und Phantasie, Nächstenliebe und Ehrfurcht vor dem Leben. Das sind Masstäbe, die für die Kirche gelten, auch wenn sie ihnen im Laufe ihrer Geschichte nicht immer gerecht wurde.

6. Barmherzigkeit statt kalter Schultern

Sie müssen nicht tatenlos zusehen, wie Menschen leiden. Als Kirchenmitglied sind Sie Teil des weltweit grössten Hoffnungsprojektes. Obdachlose und Aids-Patienten, Hungernde und Flüchtende, Kriegsopfer und geschändete Kinder: Mit Ihrer Unterstützung und Ihren Gebeten helfen Sie an den sozialen Brennpunkten Ihrer Umgebung und der Weit. Sollten Sie Kirchensteuer zahlen, können Sie sich der seriösen und sinnvolIen Verwendung dieses Geldes gewiss sein.

7. Gemeinsamkeit statt Einsamkeit

Sie sind nicht zur Einsamkeit verdammt. In der Kirchgemeinde finden Sie Gemeinschaft - Menschen, die trotz aller Unterschiede eine Erfahrung verbindet:
Der christliche Glaube ist ein tragfähiges Fundament für das Leben. Sie werden sich wundern, wie sehr das Mitmachen Ihr eigenes und das Leben Ihrer Kirchgemeinde zum Guten verändert.

(nach einem Text der Badischen Kirche)


Sie möchten wieder in die Kirche eintreten?
Sie wissen nicht, wie das geht?

Wenn Sie nach Ihrer Taufe oder Konfirmation aus der Kirche ausgetreten sind, dann vereinbaren Sie mit der Pfarrerin oder dem Pfarrer Ihrer Gemeinde ein Gespräch.
Keine Angst!
Es wartet keine Glaubensprüfung auf Sie. Sie brauchen sich auch nicht zu rechtfertigen. Christ ist, wer getauft ist. Ein Austritt aus der Kirche macht die Taufe also nicht ungültig. Wenn Sie nicht getauft sind, wird ein Pfarrer oder eine Pfarrerin alle Fragen, die mit der Taufe zu tun haben, ausführlich mit Ihnen besprechen.
Wenn Sie sicher sind,
dass Sie gerne (wieder) zur reformierten Kirche gehören möchten, dann schreiben Sie einige Zeilen an die reformierte Kirchgemeinde Ihres Wohnortes. Eine Pfarrerin oder ein Pfarrer wird mit Ihnen Kontakt aufnehmen.
Ihre Rückkehr ist ein Grund zum Feiern!
Viele Menschen freuen sich darauf, ihren (Wieder-)Eintritt in die Kirche im Gottesdienst oder auf andere Weise zu feiern. Andere kommen lieber unauffälliger zurück. Welche Form für Sie die richtige ist, entscheiden Sie selbst. Die Pfarrerin oder der Pfarrer wird auch diesen Punkt gerne mit Ihnen besprechen.
Und was kostet das?
Der Eintritt in die Kirche kostet nichts. Als Mitglied der Kirche werden Sie aber Kirchensteuer zahlen, deren Höhe in der Schweiz von Kirchgemeinde zu Kirchgemeinde unterschiedlich ist. Auch die reformierte Kirche kann ja nicht ohne finanzielle Mittel existieren.
Was macht die reformierte Kirche mit dem Geld, das ihre Mitglieder ihr anvertrauen?
Darüber legt jede reformierte Kirchgemeinde jedes Jahr öffentlich und sorgfältig Rechenschaft ab, üblicherweise in der Kirchgemeindeversammlung zur Abnahme der Vorjahresrechnung.